Wie man besser wird

In der Schule haben wir alle viele Dinge gelernt – nur leider, zumindest war das zu meinen Zeiten so, haben die Lehrenden vergessen, uns die Technik des Lernens beizubringen. Auswendig lernen, das ja. Aber: Wie eignet man sich komplett neue Fähigkeiten an? Und zwar nicht im Frontalunterricht mit einem Sender und vielen Empfängern? Sondern selbstbestimmt und eigenständig?

Nehmen wir also einmal an, wir möchten ein Instrument lernen, Gitarre etwa. Oder wir möchten gute Fotos machen. Dann gliedert sich ein solcher Prozess in drei Phasen:

  1. Gear Acquisition
  2. Learning
  3. Practice

Ich ziehe also los und kaufe mir eine schöne, gute Kamera (Gear Acquisition). Danach eigne ich mir die Grundlagen des Fotografierens an, von der Blendeneinstellung über die Verschlusszeiten bis hin zum Weißabgleich – und natürlich weiß ich dann auch, wie Bildgestaltung theoretisch funktioniert und welche Motive sich eignen (Learning).

Will ich jetzt besser werden, will ich das Genre wirklich beherrschen, dann hilft nur eines: Phase 3 – Practice! Und das immer wieder: üben, üben, üben.

Die Crux: Das kann ganz schön anstrengend sein. Oder eintönig. Oder langweilig. Nicht so sehr beim Fotografieren vielleicht, aber wer schon einmal am Klavier saß und Tonleitern hoch und runter und Cherny und wieder Cherny und wieder Cherny gespielt hat, weiß, was ich meine.

Üben, üben, üben

Aber ich will das doch können! Ich will fotografieren, will gute und beeindruckende Bilder machen. Ich will mich mit dem Thema beschäftigen! Und wie oben beschrieben, gibt es drei Möglichkeiten, wie ich mich mit dem Thema beschäftigen kann. »Learning«, das macht man ein mal, dann ist klar, dass ein Bild entsteht, wenn ich auf den Auslöser drücke, dass Töne erklingen, wenn ich auf die schwarzen und weißen Tasten drücke. »Learning«, das passiert im wesentlichen ein Mal sehr grundsätzlich, und dann ist man damit eigentlich durch.

Weil aber Practice! oft nicht sehr attraktiv ist, verfällt mal lieber wieder in Phase 1. Wir alle kennen diese Menschen – und unter Fotobegeisterten sind sie sehr oft anzutreffen (ich nehme mich da nicht aus) -, die nicht nur eine Kamera haben. Sondern drei oder vier. Mit vielen Objektiven. Die alle technischen Details ihrer Ausrüstung kennen. Und die trotz voller Fototasche immer wieder zucken, wenn da dieses eine neue Modell auf den Markt kommt, das doch eigentlich ganz gut zum eigenen Equipment …

Nicht vom eigentlichen Kern ablenken lassen

Das Ganze hat einen Namen: Gear Acquisition Syndrom. Um sich selbst vorzugaukeln, man würde sich intensiv mit »seinem« Thema beschäftigen (hier: der Fotografie), verfällt man immer wieder in Phase 1. Weil Üben so anstrengend ist. Oder manchmal unbequem. Und weil »üben« ein Leben lang dauern kann.

Aber: Wenn man besser werden will in einer Fähigkeit, ganz egal in welcher, dann hilft nur eines: üben, üben, üben.

Man braucht kein neues Schreibprogramm, um Schriftsteller zu werden.

Man wird auch mit einer neuen Kamera nicht zu einem besseren Fotografen.

Das neue Küchengerät macht vielleicht einiges einfacher, aber man wird damit nicht zu einem besseren Koch.

Die neue To-Do-App ist nur eine neue App, aber weder erledigt sie die Aufgaben noch fördert sie die Selbstdisziplin, die notwendig ist, um seine Aufgaben zu erledigen.

Wenn man in einer Sache besser werden möchte, dann hilft es nur weiter, sie zu tun. Immer und immer wieder. Vielleicht wird sie nie perfekt. Aber sie wird besser. Mit jedem Tag.

Foto: Steve Halama / Unsplash

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